St. Sebastianus J�ger Corps D�sseldorf-Hamm

Geschichtlicher Ursprung des Hammer Schützenfestes

Auszug aus einem Artikel in der damaligen Hauszeitschrift des St. Sebastianus Jägercorps zum Schützen- und Volksfest 1961

„Zum Schützentag - Zum Tag der Heimat

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eute wehen in den Hammer Straßen wieder einmal die Fahnen und ihr Gruß ist ein herzliches Willkommen den Schützen unserer alten St.-Seb.-Bruderschaft, aber auch allen den Freunden, Bekannten und Verwandten, die von nah und fern an den Festtagen zu uns stoßen, um das alte Brauchtum zu pflegen und mit den Fröhlichen fröhlich zu sein.

Hamm ist ein Dorf, in dem das Schützenwesen jahrhundertealte Überlieferung ist, das Dorf, in dem die ältesten Schützenfahnen wehen. Wo immer sich Schützen zu einer Feier zusammenfinden, da ist ein Heimatfest, und wie die Bruderschaft der Schützen seit Jahrhunderten den Schutz der Heimat auf ihre Banner geschrieben haben, so tun sie es auch jetzt wieder, da sie sich zusammenfanden, um aus alter Wurzel neue Kraft zu schöpfen und sich in geistiger Wehrhaftigkeit schützend vor die heiligsten Güter des Volkes, der Heimat und des Vaterlandes zu stellen.
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eimatfreunde 'und Heimattreue fand gerade in den Schützenbruderschaften überall und immer stärkste Stütze und sichere Horte und so ist Schützengeschichte geradezu Heimatgeschichte. Altes Kulturgut, alter Heimatbrauch ist in unserer Bruderschaft lebendig erhalten und sie haben uns Wertvolles überliefert von Geschlecht zu Geschlecht bis auf den heutigen Tag. So ist dann auch das heutige Fest vom hl. Sebastianus im wahrsten, tiefsten Sinne ein Heimatfest.

Die älteste Urkunde, die noch im Besitze der St.-Seb.-Bruderschaft ist, datiert vom Jahre 1458. Sie fängt mit einem Namenverzeichnis an:
"Diß seindt di
e verstorbenen Bruder und Susters (Schwestern) der Bruderschaft S. Sebastiani im Ham in dem Jahr 1458. Junker Ruttger auff dem Werdt, Reinardt Schiffbauer der alt" u.s. f.

Während heute nur Einwohner der Pfarrgemeinde Hamm Mitglieder der Bruderschaft werden können, war dies früher anders. Gleich im Jahre 1458 nennt die Chronik als Mitglieder: ,;Junker Ruttger auff dem Werdt (heute Volmerswerth), Cecilia Derichs uxor (Gattin) auff dem ordt (liegt heute linksrheinisch an der Hammer Brücke). 1582: Meister Engelssohn von Himmelgeist, Jan Storm von Monheim, .Adolf Goßmann von der Ordenbach (Urdenbach) " u. s. f.

Es scheint bei unseren Altvorderen beim Vogelschießen recht rheinisch feucht und fröhlich zugegangen zu sein, trotzdem durch Statut zwar jeder zum Mitfeiern, aber auch zur Ruhe angehalten war. Im Jahre 1592 heißt es nämlich: "poena fraternitatis (Strafen der Bruderschaft).
Hab
en die sämtliche Broder S. Sebastiani im Ham alle zusammen einhellig ingangen, und sich einmutiglich vergleichen, also daß ein Jeder sich beyfeugen, und der Broderschaft beywohnen soll, bey phoen und straff, wie es von alters hero gewesen ist als bey phoen und straff der Broderschafft verfallen sein soll eines pfundt wachß, und sunst was die andern 'Brodere in der Broderschafft verzehren gleich qehalten sollen werden" u. s. f., "und also auf der Schützenbahnen kein Rumor noch Uneinigkeit, sonder Friedt und Einigkeit der Broder gehalten soll werden. Diß alles ist geschehen, auff h. Sacramentitag, an welchem Dag man den Vogel scheust, geschehen ut supra Attestor ego Simon Atheriarius pastor pro tempore in Uncham. 1592“. Diese Ordnungsregel wurde auch anscheinend streng gehandhabt, denn es heißt anno 1628: „Nachdem sich Peter Zanders und Bertram Hanßen in dieser Bruderschaft gekrakehlt, sullen sie zur Straff geben jeder ein pfundt wachß“.

An dieser Stelle, wo der damalige Pastor Athenarius seine Unterschrift abgibt, erscheint auch ein wenig gebrauchter Name für Hamm, nämlich: "Uncham", was wohl soviel heißen soll wie "Ungham = Unterhamm. Diese seltene Bezeichnung für Hamm wird übrigens auch schon von Dechant Schmitz in seinem Buche "Kunde von Harnm" vertreten, wo die Erklärung Binterims zitiert wird: "Unghant ist Hamm bei Düsseldorf“. Sonst trifft man in dem alten Bruderschaftsbuch nur die bekannten Namen wie "im Ham" oder meistens "im Ham et Steinen“. Dieser Teil von Hamm heißt heute noch "Auf den Steinen".

Das Vogelschießen wurde anfangs auf "Sacramenti Tag" gehalten. Im Jahre 1634 wurde das Vogelschießen jedoch auf den zweiten Pfingstfeiertag verlegt: "Weilen auff H. Sacramentstag, wegen der Duißeldorffer prozession, solcher Tag ungelegen gewesen“. Und noch heute wird die Hammer Frühkirmes in dieser Zeit gefeiert, nämlich am Sonntage nach Pfingsten.

Anscheinend waren die Beziehungen der Bürger von Hamm zu Düsseldorf damals sehr rege, denn das alte Bruderschaftsbuch meldet von vielen Bürgern aus Düsseldorf, die Brüder in der St.-Sebastianus-Bruderschaft waren. So wird berichtet, daß anno 1635 am 20. Mai Wilhelm Bouven hus Düsseldorf für Wilhelm Caunertz, Bürger in Hamm, den Vogel abschoß. Dieser W. Bouven war anscheinend ein guter Schütze, denn im Jahre 1636 heißt es: "Ist darauf angefangen worden zu schießen und hat im Namen Ihrer fürstl. Dhlt. unseres gnaedigsten Herrn Wolfgang Wilhelmen Pfalzgraven in Bayern, Neuburg zu Gülich, Cleve und Bergh Herzogen Wilhelm Bouven in dem ersten Schuß den Vogel abgeschoßen, welchen die Bruderen mit ihren Fendelen und Gewehr alsbaldt Ihrer Dhlt. praesentirt und haben dieselbige Ihr insignia und schildt dem Vogel angehangen und den Brüderen vier Reichsdaller zu verzehren verehrt“. Dieser vorhin erwähnte Orden ist noch heute ein Glanzstück unseres alten Silberschatzes, den der jeweilige Schützenkönig als Abzeichen seiner Würde im Schützenzuge trägt.
Ferner wird im Jahre 1639 Ihrer Dhlt. Hofsattler Hyeronymus Frenborch als Bruder aufgenommen und 1656 erringt der Herr Stadtschreiber Ruttgerus Daniels die Königswürde
. Hier dürfen nicht unerwähnt bleiben "Ihrer Churfürstl. Durchlaucht Refendar und Rath H. Ernst", der im Jahre 1707 als Bruder aufgenommen worden ist und der "hl. Bürqerhauptmann wie auch Municipalrath in der residenzstatt Düsseldorf J. W. Eickeler", der anno 1811 die Königswürde errang.

Einen schönen Beweis, in welch hoher Gunst die' Bruderschaft von Hamm bei der Behörde stand, finden wir in einem Protokoll aus dem Jahre 1660, das bereits 1651 zum ersten Male erwähnt wird. Es-heißt dort: „…demnächst auch daß derjenige so den zur Stange angelegten und auffgerichten Vogel aufrichtig abbschießen und niederlegen wird daß derselb wegen von dem Ehrbare Rath zu Düsseldorf erlangten Freyheit daß von Steuern und allen Lasten und Diensten Zeit eines Jahresfrist exempt gehalten wird / den samptlichen Brüdern zum Besten geben soll zwey ohmen Bier“. Der jeweilige Schützenkönig war also im Jahre seiner Würde laut Freibrief der Stadt Düsseldorf von allen Steuern und Abgaben befreit. Leider ist dieser Freibrief nicht mehr aufzutreiben, sonst würde er dem Herrn Oberrgermeister Dr. Vomfelde schon vorgezeigt werden. Sollte der Herr Oberbürgermeister, von dem man erfreulicherweise im Gegensatz zu manchem seiner Vorgänger sagt, daß er für die heimischen jahrhundertealten Schützenfeste das größte Interesse hat und sie fördert und schützt, sich veranlaßt fühlen, in etwa dem seit 503 Jahren chronischen Geldmangel der Bruderschaftskasse abzuhelfen, so kann er dar sorgen, daß wir die Anerkennungsgebühr für den Kirmesplatz auf dem .Bleek" nicht mehr zu zahlen haben, zumal dieser Platz ureigenes altes Hammer Gebiet war. Eine solche kleine Unterstützung von amtswegen wird bereits im Jahre 1708 berichtet. Damals erhielt die Bruderschaft von dem Bürgermeister Düsseldorfs 15 Reichsthaler zur Beschaffung einer neuen Fahne.

Im L
aufe der Jahre meldet das Bruderschaftsbuch viele Unterbrechungen der Schützenfeste. So wird berichtet, daß vor 1508 eine ganze Zeitlang keine Bruderschaft gehalten wurde. Ferner. heißt es im Jahre 1655, daß, nachdem wegen gefährlicher Kriegszeit eine geraume Zeitlang nicht geschossen worden war, die Brüder jetzt wieder gehalten seien, die Gesetze und Regeln zu beachten und alle mitzufeiern. Ebenfalls fiel 1689 wegen Krieg das Vogelschießen aus. In den Jahren 1914 bis 1922 ist das Schützenfest ebenfalls nicht gefeiert worden. Auch 1939, als alle Vorbereitungen bereits abgeschlossen waren, mußten die Schützen das Fest aussetzen, bis es 1947 wieder zum erstenmal bis auf den heutigen Tag gefeiert werden konnte…“.

Damaliger Verfasser  des Artikels: W. S.